- René Görgen (44) steht seit September in der Führungsspitze einer der traditionsreichsten Karnevalsgesellschaften Kölns.
- Seine karnevalistischen Wurzeln liegen in Stolberg-Mausbach – und die Verbindung in die alte Heimat ist bis heute geblieben.
Seine ersten karnevalistischen Schritte machte er als kleiner Junge im Mausbacher Karnevalszug. Heute trägt René Görgen Verantwortung für eine der traditionsreichsten Karnevalsgesellschaften der Domstadt: Der 44-jährige gebürtige Stolberger wurde im September einstimmig zum Vizepräsidenten der Alten Kölner Karnevalsgesellschaft Schnüsse Tring 1901 e.V. gewählt. Gemeinsam mit Präsident Dirk Königs will er die Gesellschaft in die Zukunft führen und dabei Tradition und Moderne miteinander verbinden.
Die Schnüsse Tring gehört seit 125 Jahren fest zum Kölner Karneval. In diesem Jahr feierte die Gesellschaft ihr großes Jubiläum unter anderem mit einer eigenen Radioshow. Namensgeberin ist Katharina Mund, eine selbstbewusste Dienstmagd, die als „Schnüsse Tring“ Eingang in die Kölner Karnevalsgeschichte fand. Zu den bekanntesten Aushängeschildern des Vereins zählen die Kammerkätzchen und Kammerdiener, deren Tanzgruppen weit über die Grenzen Kölns hinaus einen hervorragenden Ruf genießen. Mit der Wahl von Dirk Königs, der einst selbst als Bauer im Kölner Dreigestirn stand, zum Präsidenten hatte die Gesellschaft bereits im vergangenen Jahr einen Generationenwechsel eingeläutet. Mit Görgen als neuem Vizepräsidenten wird dieser Weg nun konsequent fortgesetzt.
Von Mausbach in den Kölner Karneval
Für René Görgen ist der Karneval seit frühester Kindheit ein fester Bestandteil seines Lebens. Schon im Kindergartenalter zog er beim Mausbacher Karnevalszug mit. Auch heute besucht er regelmäßig mit seiner Familie Veranstaltungen der Löstigen Wölleklös und pflegt die Verbindung zu seiner alten Heimat.
Seit rund 22 Jahren lebt Görgen im Kölner Stadtteil Nippes. Mit der Schnüsse Tring ist er seit vielen Jahren eng verbunden, war längere Zeit im Großen Rat der Gesellschaft aktiv und beschäftigte sich intensiv mit der Frage, wie sich ein traditionsreicher Karnevalsverein für kommende Generationen aufstellen muss.
„Gerade in krisengeprägten Zeiten ist das Brauchtum etwas, das Menschen verbindet und ihnen Halt gibt“, sagt Görgen. „Wir wollen Tradition bewahren, uns aber gleichzeitig modern aufstellen und den Karneval auch für nachfolgende Generationen erlebbar machen.“
Karneval ist mehr als Feiern
Eine besondere Herzensangelegenheit ist für den neuen Vizepräsidenten die Nachwuchsarbeit. „Sowohl unsere Jugend- als auch unsere große Tanzgruppe der Kammerkätzchen und Kammerdiener zählen zu den Besten Kölns. Es ist unfassbar wichtig, jungen Menschen nicht nur eine sportliche, sondern auch eine soziale Heimat bieten zu können.“
Dabei gehe die gesellschaftliche Bedeutung des Karnevals weit über die großen Bühnen hinaus. „Unsere Jugendlichen stehen vor rund 20.000 Menschen in der Lachenden Kölnarena auf der Bühne. Am nächsten Tag geht es vielleicht in ein Seniorenheim oder in die Kinderonkologie. Gerade dort merkt man erst, welche Kraft der Karneval entfalten kann und was diese Momente für die Menschen bedeuten.“
Für Görgen ist das ein wesentlicher Teil des Vereinslebens. „Karnevalsgesellschaften wie die Schnüsse Tring leisten das ganze Jahr über wichtige Arbeit. Natürlich sind unsere großen Sitzungen und der Rosenmontag die Höhepunkte der Session. Aber unser gesellschaftlicher und sozialer Auftrag reicht weit darüber hinaus.“
Tradition bewahren und gleichzeitig neue Wege gehen
Dass das Amt des Vizepräsidenten auch einiges verändert, hat der Mausbacher bereits festgestellt. „Das Telefon klingelt seit September schon deutlich häufiger“, erzählt er schmunzelnd. Gleichzeitig empfindet er großen Stolz, die Geschicke einer so bedeutenden Kölner Traditionsgesellschaft mitgestalten zu dürfen. Die Herausforderungen seien vielfältig: steigende Kosten, wachsende administrative Anforderungen und veränderte Erwartungen der Menschen an das Vereinsleben. Hinzu kommen gesellschaftliche Veränderungen und die zunehmende Digitalisierung, die auch vor traditionsreichen Karnevalsvereinen nicht haltmachen.
„Wir beschäftigen uns intensiv mit der Frage, wie wir als Gesellschaft zukunftsfähig bleiben können, ohne dabei unsere Werte und Wurzeln zu verlieren“, erklärt Görgen. „Das bedeutet auch, gesellschaftliche Veränderungen ernst zu nehmen, neue Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen und mutig genug zu sein, manchmal andere Wege zu gehen.“
Eine zentrale Frage sei dabei, wie es gelingen könne, noch mehr Menschen für das karnevalistische Brauchtum zu begeistern – gerade auch jene, die nicht im Rheinland aufgewachsen sind und deshalb vielleicht bislang wenig Berührungspunkte mit dem Karneval hatten. „Karneval verbindet Menschen, unabhängig von Alter oder Herkunft. Genau darin liegt doch seine besondere Stärke“, betont Görgen. „Unser Anspruch muss sein, dieses Brauchtum trotz aller Herausforderungen generationenübergreifend und möglichst für jeden zugänglich zu machen. Wir müssen offen sein für Menschen, die unsere Traditionen noch nicht kennen, und ihnen die Möglichkeit geben, Teil dieser Gemeinschaft zu werden.“
Dazu gehöre auch, bestehende Veranstaltungsformate weiterzuentwickeln, moderne Kommunikationswege zu nutzen und die Bedürfnisse unterschiedlicher Generationen stärker zu berücksichtigen. Dabei gehe es nicht darum, Bewährtes über Bord zu werfen, sondern Traditionen so zu gestalten, dass sie auch in Zukunft lebendig bleiben.
„Tradition und Veränderung sind für mich kein Widerspruch. Im Gegenteil: Wenn wir möchten, dass unsere Werte auch in 25 oder 50 Jahren noch gelebt werden, müssen wir heute die richtigen Weichen stellen“, so Görgen.
Die alte Heimat bleibt im Herzen
Trotz seines langjährigen Lebensmittelpunkts in Köln hat Görgen seine Herkunft nicht vergessen. Und so verbindet er mit seinem neuen Amt auch einen persönlichen Wunsch: „Natürlich wäre es schön, wenn unsere Kammerkätzchen und Kammerdiener künftig auch einmal wieder in Stolberg oder der Städteregion Aachen auf der Bühne stehen würden.“
Umgekehrt würde er sich freuen, wenn auch Karnevalsfreunde aus seiner alten Heimat den Weg nach Köln finden: „Jeder, der den Kölner Karneval einmal hautnah erleben möchte, ist bei unseren Veranstaltungen herzlich willkommen.“
Dass die karnevalistische Laufbahn, die einst als kleiner Junge im Mausbacher Karnevalszug begann, einmal bis in die Führungsspitze einer der ältesten Kölner Karnevalsgesellschaften führen würde, hätte sich René Görgen damals wohl selbst kaum träumen lassen.
Über die Alte Kölner K.G. „Schnüsse Tring“ 1901 e.V.
Die Alte Kölner K.G. „Schnüsse Tring“ ist eine Traditionsgesellschaft des Kölner Karnevals und Mitglied im Festkomitee Kölner Karneval. Sie ist bekannt für ihre Tanzgruppen, die Kammerkätzchen und Kammerdiener, sowie für ihre tiefe Verbundenheit mit dem Kölner Brauchtum.
Foto © Alte Kölner K.G. „Schnüsse Tring